Roger de Weck

Roger de Weck bei einer Buchpräsentation

SRG SSR-Generaldirektor Roger de Weck sorgt in der Schweiz für Kontroverse. Nach seinem Amtsantritt im Januar 2011 setzte der ehemalige Chefredakteur der “Zeit” auf den Ausbau der Internetaktivitäten der schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft. In einem Interview mit dem Beobachter (beobachter.ch) erklärte de Weck im September:

“Ernsthaft haben wir kein Quotenproblem, aber ein Messproblem. Das Haupttor zu unseren Sendungen sind die Kanäle. Hier gibt es tendenziell einen Rückgang. Hingegen nehmen das Radiohören und Fernsehen via Internet – das Seitentor zu unseren Sendungen – merklich zu; und das ist noch nicht auf vergleichbare Weise messbar.”

De Weck hat damit in der Schweiz eine Debatte erzeugt, die der deutschen über die Befugnisse des öffentlich-rechtlichen Rundfunks im Internet durchaus ähnelt. Der SRG-Generaldirektor sieht die Internetaktivitäten seines Konzerns jedoch nicht als Bedrohung für die privaten Zeitungsverleger.

“Die SRG ist nicht das Problem. Sie macht im Internet keine Zeitung mit Kommentaren, Glossen, geschriebenen Reportagen und all dem, was zu einem guten Blatt gehört. Umgekehrt machen private Verleger immer öfter das, was die SRG tut: Sie bringen Videos, da das Internet audiovisuell ist.” (Quelle: Beobachter, Ausgabe 18/11)

Online-Werbung

Es sind jedoch nicht allein die öffentlich-rechtlichen Online-Angebote, die von den Verlegern kritisch gesehen werden. De Weck plant auch auf den Internetportalen der schweizerischen Rundfunkgesellschaft Werbung zu schalten.

Jeder, der im Internet nicht werben dürfe, werde auf dem Werbemarkt mittelfristig marginalisiert, erklärte er in einem Interview. Da er selbst 35 Jahre für Zeitungen geschrieben hat und die privaten Verlagshäuser somit kennt, machte er diesen ein Kompromissangebot, das von DRadio Wissen am 23. November 2011 folgendermaßen zusammengefasst wurde:

“Er will sämtliche Einnahmen aus der Online-Werbung in eine Stiftung für die Ausbildung von Journalisten einzahlen – zumindest bis der Betrag unter eine bestimmte Grenze fällt.”

Der Kompromiss wurde jedoch von Urs Meyer, dem Geschäftsführer des Verlegerverbandes abgelehnt, da man damit implizit das Recht des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf die Bewerbung von Online-Portalen anerkennen würde.

Viel zu tun

Die Online-Strategie der SRG SSR ist nicht die einzige Herausforderung, der sich Roger de Weck seit seinem Amtsantritt am 01. Januar 2011 stellen muss. Mit seinem Amtsantritt wurden auch das Schweizer Radio (DRS) und das Schweizer Fernsehen (SF) zur neuen Unternehmenseinheit Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) fusioniert. Zudem ist die finanzielle Lage der schweizerischen Rundfunkgesellschaft angespannt. Schon seit 2006 schreibt sie rote Zahlen und auch 2009 schloss die SRG SSR mit einem Defizit ab.

Bei diesen anstehenden Herausforderungen war de Wecks Wahl an die Spitze der SRG SSR für viele eine Überraschung gewesen. Die Delegierten der SRG SSR hatten sich dennoch für den 58 Jahre alten gebürtigen Freiburger entschieden. Der Moderator der SF1-Sendung “Sternstunde Philosophie” hatte laut Jean-Bernard Münch, Verwaltungsratpräsident von SRG SSR, “Erfahrungen als Führungspersönlichkeit in Positionen mit weitreichender betriebs- und finanzwirtschaftlicher Verantwortung”. Zudem sei Roger de Weck “eine anerkannte, publizistisch versierte und integre Persönlichkeit.”

Roger de Weck kann in seinem neuen Posten von seinen Erfahrungen als Chefredakteur des Züricher “Tages-Anzeigers” und der “Zeit” profitieren. Er ist in der Schweiz wie auch in Deutschland gut vernetzt und kennt die Denkweisen beider Seiten. De Weck selbst erklärte gegenüber swissinfo.ch:

“In unserem viersprachigen Land hat die SRG den staatspolitischen Auftrag, zum eidgenössischen Zusammenhalt und zur politischen und gesellschaftlichen Meinungsbildung beizutragen. Das ist Service public und service au public. Eine Verpflichtung, die ich mit Respekt annehme und der ich mit Sorgfalt und Konsequenz gerecht werden will.”

Ausblick

In einem Interview, das am 18. Mai 2010 nach seiner Wahl auf SF1 ausgestrahlt wurde, erklärte de Weck zudem, dass es “für ein Unternehmen mit roten Zahlen, ob es nun öffentlich oder privat ist, keine rosa Zukunft gibt. Hier muss die SRG zu schwarzen Zahlen, zum finanziellen Gleichgewicht zurückfinden.” Er gehe jedoch auch davon aus, dass ein schwieriges Jahrzehnt bevorstehe.


10vor10 vom 18.05.2010

Die Sanierung der schweizer Rundfunkgesellschaft wird somit zur großen Herausforderung  für  den Generaldirektor, denn die SRG muss der deutschen, französischen und italienischen Schweiz ein gleichwertiges Programm liefern. Dies bedeutet, dass 18 Radio- und 8 Fernsehprogramme gleichermaßen mit Programm bestückt und Lizenzen für drei Sprachen erworben werden müssen.

 Foto: © Das blaue Sofa / Club Bertelsmann (flickr),CC BY 2.0

 

Über Martin Krauß

Martin studiert an der Hochschule Darmstadt Online-Journalismus und interessiert sich für Politik, Nachhaltigkeit, Netzwelt und Medien. Er ist Mitglied im Autorennetzwerk youdaz.com und bloggt privat unter outofmessel.wordpress.com. Twitterkanal: @martin_krauss

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Trackbacks/Pingbacks

  1. Steve Herrmann | Politik. Medien. Öffentlichkeit. - 6. Januar 2012

    [...] anregen wird. Dabei geht es nicht nur um BBC und ARD, denn Teilnehmer der Diskussion sind auch:  Roger de Weck, Generaldirektor der Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft sowie der Amerikaner Jeff Rosenberg, [...]

  2. Interview: Roger de Weck | Politik. Medien. Öffentlichkeit. - 8. Januar 2012

    Roger de Weck im Audio-Interview mit Pascal Tannich, Martin Krauß und Dorothee Frey

  3. Politik.Medien.Öffentlichkeit. | Out of Messel - 22. Januar 2012

    [...] geführt haben. An dieser Stelle möchte ich mich zudem für das Lob bedanken, dass mir Roger de Weck ausgesprochen … [...]

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